Chronik

Die Aufzeichnungen in den Protokollbüchern beginnen mit dem 19. November 1924, wo über verschiedene Punkte einer Spieler- und Ausschusssitzung des "Theatervereines" Ettringen berichtet wird. Anlässlich einer außerordentlichen Generalversammlung am 14. Dezember 1924 wurde die Änderung der Statuten besprochen und von der Versammlung einstimmig angenommen. Dies war der Beginn des "Trachtenvereines Ettringen".

In den folgenden Monaten trat die Trachtler-Idee jedoch immer mehr in den Vordergrund, sodass im Jahre 1925 der Oberländische Volkstrachtenverein "D'Wertachtaler" Ettringen gegründet bzw. durch die Umbenennung ins Leben gerufen werden konnte.

Einige junge Männer hatten von bestehenden Trachtenvereinen aus der Umgebung bereits einige Schuhplattler gelernt und beschlossen, in ihrer Heimatgemeinde ebenfalls dieses alte Brauchtum zu pflegen.

Anfang des Jahres 1926 konnte der Verein bereits 41 Mitglieder im Protokollbuch verzeichnen.

Die damalige Vorstandschaft, bestehend aus: Lederer Josef, Huber Franz, Schuhwerk Josef, Lederer Jakob,Mayer Basil, Mayer Peter, Baur Josef, Ledermann Jakob sowie 5 Beisitzern bemühte sich um Anschluss zu anderen Trachtenvereinen und an den Dachverband, dem "Altbayrisch-Schwäbischen Gauverband". Der Verein wurde am 12.09.1926 in diesen Verband aufgenommen und ist ihm bis heute treu geblieben.

Dazu war es notwendig, die Statuten erneut zu ändern, dies ist unter dem Datum vom 30. Januar 1927 verzeichnet.

Fahne_1927

Vereinsfahne von 1927

Der junge Verein war recht rührig, es wurde die Anschaffung einer Fahne beschlossen und durchgeführt. Der Chronist Josef Schuhwerk berichtet von der Fahnenweihe, die am 21. und 22. Mai 1927 bei stürmischem Wetter stattfand und mit einem Festzug mit 25 beteiligten Vereinen gekrönt wurde. Die Patenschaft zur Fahnenweihe übernahm der Bruderverein Mindelheim.

Durch diese Erfolge erfreute sich der Trachtenverein immer größerer Beliebtheit, und im Jahre 1928 war die Mitgliederzahlt bereits auf 52 gestiegen.

Eine neue Idee kam in der Vorstandschaft auf; in der Versammlung am 25. August 1928 wurde die Gründung einer Trachtenkapelle besprochen. Wegen fehlender Instrumente verzögerte sich dieser Wunsch noch etwas, doch schon am 1. Januar 1929 war die Kapelle offiziell gegründet, sie bestand aus 9 Musikern, ihr Dirigent war Alois Henkel sen. Mit dieser Kapelle konnte am 17. Juli 1929 das Gaufest in Bad Wörishofen besucht werden.

Die Trachtenvereine des Gauverbandes (fast vollzählig, bis auf 5, so die Chronik) waren am 28. Mai 1933 in unserer Gemeinde zu Gast, als unser Verein das 13. Gaufest des Altbayrisch-Schwäbischen Gauverbandes durchführen durfte. Die Gutsverwaltung Ostettringen stellte ihren Stadel als Festhalle zur Verfügung, doch trotz eines Fassungsvermögens von ca. 1000 Personen erwies er sich als zu klein. Dazu ist auch vermehrt, dass die etwas über 1000 vorhandenen Festzeichen bei weitem nicht ausreichten.


Übrigens hielt der Chronist Lederer sen. auch fest, dass über die Hälfte der Festzeichen alleine von Theresia Henkel (Frau des ab 1937 folgenden Vorstandes und Dirigenten der Trachtenkapelle) verkauft wurden. Der Wettergott bescherte dazu auch ein herrliches Wetter, sodass das Gaufest ein voller Erfolg wurde und der Verein auch finanziell sehr gut abschnitt.
1933_Gaufest

Gaufest 28.Mai 1933


Die folgenden Jahre arbeitete der Verein im Sinne der Heimat- und Brauchtumspflege, es wurden zahlreiche Waldfeste abgehalten, Theater gespielt, Feste anderer Vereine besucht. Beliebt waren die Treffen in einer Jagdhütte in "Kohlers Gehau", wo zu den Klängen der Trachtenkapelle die erlernten Tänze und Schuhplattler gezeigt wurden.

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Sommer 1931, Jagdhütte in Kohlers Gehau


Die folgende NS-Zeit und besonders der 2. Weltkrieg brachten eine Zwangspause und große Verluste für den Verein. Als 1946 unter Vorstand Peter Mayer mit dem Wiederaufbau begonnen wurde, war der Tod von 22 Mitgliedern, darunter auch 1. Vorstand Alois Henkel zu beklagen.

Trachtenfest_Rosshaupten_19Trachtenfest in Roßhaupten 1948

Den Zeitumständen entsprechend ging es mit dem Vereinsleben langsam, aber stetig, voran. So konnte am 21. Juli 1946 die erste öffentliche Tanzveranstaltung nach dem Kriege durchgeführt werden. Es folgten Theateraufführungen im Dezember 1946 und im Frühjahr 1947. Dazu wurden neue Theaterkulissen angefertigt.

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Nach diesen schweren Jahren konnte der inzwischen gestärkte Verein am 8. Mai 1955 sein 30jähriges Jubiläum feiern, und schon im darauffolgenden Jahr 1956 das Gauliedersingen des Gauverbands durchführen.

Ein weiterer Schritt für den Erhalt und die Weiterführung des Vereines war die Förderung des Nachwuchses. So wurde in den Jahren 1954/55 eine Jugendgruppe ins Leben gerufen, die immer wieder neu aufgefüllt und erneuert werden muss und vom jeweiligen Jugendleiter mit viel Idealismus und Zeitaufwand betreut wird.
Musikfest-in-Ettringen_1952Musikfest in Ettringen, 1952

Seit dem Jahre 1960 gibt es auch eine altschwäbische Gruppe, die die bodenständige, schwäbische Bauerntracht trägt. Originalstücke, wie z. B. die Reginahauben, stammen aus unserer und den Nachbargemeinden und werden heute noch getragen. In ihrer schmucken schwäbischen Tracht pflegt diese Gruppe besonders den Volkstanz.

Fahnenweihe_Tuerkheim_1955

Fahnenweihe in Türkheim, 1955

Natürlich kommt auch die Geselligkeit bei uns nicht zu kurz, und zwischendurch sind wir auch ganz "narret". Sehr beliebt im Jahresablauf ist der seit 1974 stattfindende Trachtlerball. Er gehört bis heute zu einem der beliebtesten Bälle in der Faschingshochburg Ettringen und wird jedes Jahr durch eine Showeinlage der Miesbacher Gruppe bereichert. Eine neue Bereicherung erhielt das Vereinsleben durch die freundschaftlichen Beziehungen zur Tanzgruppe aus Ettringen / Eifel, die im Zuge der Partnerschaft beider Gemeinden im Jahre 1978 entstanden sind. Nach einem Besuch der Tanzgruppe in unserer Gemeinde besuchten wir , zusammen mit der Blaskapelle, unsere Freunde in der Eifel, wo wir anlässlich des dortigen Sommernachtsfestes einen rheinisch- bayerischen Abend mitgestalteten.


Einen weiteren Höhepunkt stellte das 50jährige Jubiläum dar. Dazu wurde im Rahmen einer Festwoche am 14. und 15. Juni 1975 ein Bezirkstrachtenfest durchgeführt. Dies war wiederum ein Anlass für die Tanzgruppe aus der Eifel, uns einen Besuch abzustatten, den wir prompt einige Wochen später erwiderten.

1963_Gaufest_Memmingen


1963 Gaufest Memmingen

Ein dritter Besuch führte uns im August 1977 in unsere Partnergemeinde Ettringen/ Eifel, wo wir wiederum beim Sommernachtsfest und beim Festzug mitwirkten.

Leider brach dann der Kontakt etwas ab, bevor uns dann im Jahr 1999 die Herren Ackermann, Schmitz und Simon aus Ettringen / Eifel zu unserer Waldweihnacht besuchten. Im Jahr 2001 feierte das Reitsportcenter Ettringen / Eifel ihr 20jähriges Bestehen, hierzu wurden wir von Fam. Ackermann eingeladen. Zusammen mit der Blaskapelle und einer Abordnung der Gemeinde machten wir uns auf den Weg in die Eifel.
Mit der gleichen Besetzung feierten wir dann das 30-jährige Jubiläum der Partnerschaft unserer Gemeinden im Jahr 2003, ebenfalls in Ettringen / Eifel.

Ein besonderes Ereignis in der Geschichte des Vereines war der Bau des Trachtenheimes. Nachdem bereits seit 1974 die Vorbereitungen liefen und die Gemeinde ein Grundstück zur Verfügung gestellt hatte, konnte im März 1976 mit dem Bau begonnen werden. Nach der Planung und Organisation unseres damaligen Vorstandes Dieter Kügle entstand unser Vereinsheim in unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden und in vollkommener Eigenleistung. Die Fertigstellung und Einrichtung verdankt der Verein den erheblichen Spenden der Mitglieder und dem Zuschuss der Gemeinde Ettringen. Am 30. Juli 1978 wurde das Trachtenheim im Rahmen eines Gottesdienstes von Hochw. Geistl. Rat Herbert Brazdil eingeweiht. Das allseits beliebte Waldfest, das mangels eines geeigneten Platzes jahrelang nicht mehr stattgefunden hatte, konnte noch am gleichen Tage abgehalten werden und ist seitdem wieder ein fester Bestandteil des Vereinslebens.

1979_Bau_Trachtenheim

1976 Bau des Trachtenheims

Nach langer Pause wurde ab 1978 wieder ein Maibaum aufgestellt. Vorstand Dieter Kügle entwarf dazu neue Embleme, die Mitglieder fertigten diese in wochenlanger Arbeit.


Anlässlich des 100 jährigen Bestehens der Trachtenvereine in Bayern besuchten wir auch das große Trachtenfest der Vereinigten bayerischen Trachtenverbände am 3. Juli 1983 in München. Zusammen mit ca. 20.000 Trachtlern aus ganz Bayern konnten wir den Gottesdienst auf dem Marienplatz in München miterleben und marschierten anschließen im großen Festzug durch unsere Landeshauptstadt.

Zur Weihe der renovierten Fahne unseres Brudervereines Mindelheim übernahmen wir die Patenschaft und feierten dieses Ereignis am 4. Oktober 1986 zusammen mit den anderen Bezirksvereinen im Mindelheimer Kolpinghaus.

Im Zuge der Dorfverschönerung wurde von der Gemeinde die Siebnacher Straße neu gestaltet, an der Ecke zur St.-Martin-Straße ergab sich eine schöne Grün-Insel mit 2 Bäumen. Dies brachte uns auf den Gedanken, hier ein Feldkreuz aufzustellen. Wir kauften einen geschnitzten Herrgott, einige Mitglieder fertigten das Kreuz, so konnten wir es im April 1990 aufstellen. Hochw. Herr Geist. Rat Herbert Brazdil hat es im Beisein von Bgm. Walter Fehle in einer kleinen Feier am 01. Mai 1990 eingeweiht.

1990_Einweihung_Kreuz

Einweihung des Feldkreuzes am 1. Mai 1990

Die Anschaffung einer neuen Fahne war seit Jahren ein besonderes Anliegen des Vereines. Zum 65jährigen Jubiläum, das wir im Jahre 1990 begingen, wurde dieser Wunsch Wirklichkeit. Die Niederbayerische Fahnenstickerei Kössinger in Schierling fertigte das neue Symbol und der Trachtenverein Markt Rettenbach übernahm dankenswerterweise die Patenschaft. Somit hatten wir mit der Ausrichtung des 62. Gautrachtenfestes des Altbayrisch-Schwäbischen Gauverbandes dreifachen Grund zum Feiern. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass wir das hervorragende Gelingen unseres Gaufestes hauptsächlich unserem Festleiter Dieter Kügle zu verdanken haben.


In den 80er und 90er Jahren suchten wir auch vermehrt den Kontakt zu Vereinen außerhalb unseres Gauverbandes. So besuchten wir die Gaufeste des Allgäuer Gaues, des Housigaues, sowie die des Lech-, Oberen Lech- und Donaugaues.
Ab dem Jahr 1992 gingen unsere Fahrten dann durch ganz Deutschland oder in eines der umliegenden Nachbarländern zu internationalen Trachtentreffen. So besuchten wir z. B. Lüdinghausen in Westfalen, Fieberbrunn in Österreich, Schalkau in Thüringen, Kröv an der Mosel, Baar und Aadorf in der Schweiz, Evron in Frankreich und das Trachtentreffen in Grömnitz an der Ostsee.

In den 90er und 2000er Jahren war unsere Miesbacher- und Altschwäbische Gruppe sehr stark in den Gaugruppen des Altbayrisch-Schwäbischen Gauverbandes und der Bezirksgruppe Mindelheim vertreten.

Seit dem Jahre 1999 haben wir begonnen, für unsere Verstorbenen am Josefstag eine Messe zu feiern. Daraus hat sich ein Chor und eine Musikgruppe aus aktiven Trachtlerinnen gebildet. Neben der Waldweihnacht gestalten wir auch seit 2003 die 1. Maiandacht und treten auch außerhalb des Dorfes auf.

Um unser Schmuckstück das Trachtenheim im Sportpark Ettringen zu bereichern , entschlossen wir uns im Frühjahr 2004 zum Bau einer Musik- und Tanzbühne. Durch die engagierte Zusammenarbeit aller aktiven Trachtler und Trachtlerinnen konnte dieses Vorhaben zwischen Herbst 2004 und Frühjahr 2005 durchgeführt werden. Wir sind so nun etwas wetterunabhängiger und können uns wieder an die Durchführung eines Waldfestes wagen.

Fahne_1990

Mit dem Moto „Bei uns wird Brauchtum und Tradition groß geschrieben, trotzdem sind wir nicht von gestern!“ starteten die Wertachtaler 2006 ins Zeitalter des Internet´s. Seitdem findet man hier alle Informationen über unseren Verein.

Das 90 Jährige Jubiläum feierten wir 2015 mit einem großen Waldfest in der Waldbühne beim Trachtenheim.

Ein lang gehegter Wunsch der Ettringer Trachtler ging 2016 in Erfüllung. Der Trachtenfundus der Wertachtaler fand angemessene Räumlichkeiten im neu renovierten Mesnerhaus. Der Ausbau des Raumes und die Möblierung der Räumlichkeiten wurden durch Eigenleistung des Trachtenvereins ermöglicht.

Der Kontakt zu anderen Vereinen wird auch immer wieder gepflegt, in dem wir mit einigen Gruppen, wie Markt Rettenbach, Lechfeld und Mindelheim proben, auftreten oder uns auch nur zum geselligen Miteinander treffen, wie zum traditionellen „Seelawecka-Essa“ mit unserem Dotla und Patenverein.
Dass wir ein junger und aktiver Verein sind, sieht man an unserer Kinder- und Jugendgruppe. Mit tollen Erfolgen beim Wertungsplatteln und Bayerischen Löwen kann man unserem Jugendleiter und seinen Helfern großes Lob aussprechen.

Unser Verein, mit derzeit ca. 100 Mitgliedern, verfügt über vier sehr aktive Gruppen: Die Altschwäbische, die Miesbacher Gruppe, die Kinder- und Jugendgruppe und die Gesangsgruppe und Stubenmusik, die durch ihre Tätigkeiten und Auftritte im Kirchenjahr und Dorfleben einen sehr guten Ruf genießen.
Unsere vier verschiedenen Gruppen gewährleisten durch ihren Zusammenhalt und ein gutes Miteinander das sehr rege Vereinsleben. Eine Anzahl fördernder Mitglieder unterstützt uns durch ihre Beiträge, neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen.